… Erwin Schmiedel

Avatar-ZwiegesprächDer fränkische Dichter und Epiker Wolfram von Eschenbach begann sein großes Werk mit dem Epilog „Wenn Zweifel Herzens Nachbar wird, die Seel sich in Leid verwirrt“ was in Verbindung mit dem Darauffolgenden, in vielerlei Betrachtungen und Wahrnehmungen enden kann. Allein für sich genommen ist es ein Zitat, welches uns sehr viel über uns Menschen sagt, egal aus welcher Epoche, egal aus welchem Land, egal aus welcher Gesellschaft. Von Eschenbachs Held Parzival, der sich in dem Versroman vom Unwissenden zum Gralskönig entwickelt, muss viel menschliches erleben.

Alles menschliche, angefangen vom Sinn des Lebens, über die Schuld, Sexualität, Gesellschaftsprobleme, die Gegensätze zwischen Mann und Frau usw. – alles muss er auf seiner Entwicklung durchleben!

Heute hat sich da wenig geändert, im realen, wie im fiktiven Leben. Ob es in der Zukunft anders sein wird – ich glaube kaum, solange wir noch Menschen mit Emotionen, mit Ängsten, mit Liebesbedürfnissen sind und unsere destruktive Art immer wieder durchbricht, sei es im kleinen miteinander oder im großen religiösen Miteinander.

Auch Richard Wagner (umstritten zu Recht oder Unrecht, sei an dieser Stelle dahingestellt) meinte zusammenfassend zu seinem Bühnenwerk des Parsival: „Man könnte sagen, dass da, wo die Religion künstlich wird, der Kunst es vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten, indem sie die mythischen Symbole, welche sie im eigentlichen Sinne als wahr geglaubt wissen will, ihrem sinnbildlichen Werte nach erfasst, um durch ideale Darstellung derselben die in ihnen verborgene tiefe Wahrheit erkennen zu lassen“ – soll bedeuten, dass das Stück ein Gleichnis, eine Botschaft darstellt durch die Entwicklung Parzivals.

Auch heute gibt es Menschen wie diesen Parzival, aus dem Nirgendwo gekommen schwingen sie sich auf, die Welt, ihre Welt zu erobern, mit all seinen Tücken, Freuden, Schwierigkeiten und glücklichen Momenten. Herr Schmiedel, kennen sie das Nirgendwo?

Nun zunächst einmal lassen Sie mich ein paar Worte zu der Figur des Parzival verlieren. Sein Name bedeutet „Der das Tal durchwandert“ oder wie anderswo vermerkt und umgangssprachlich „Mittendurch“. Keine schlechten Metaphern, wie ich finde und das in der ursprünglichsten Bedeutung dessen, was der Mensch erfahren muss, um quasi zu sich selbst zu gelangen.

In diesem Sinne ist seine Geschichte, vom unberührten Kind bis hin zum Gralskönig, mit all den Untiefen des Lebens die er durchwandern muss, der Weg, der Bewusstwerdung in einem Menschenleben schlechthin.

Es ist dies die Erkenntnis, dass alles Glück und Erfüllung, Gott und die Welt in uns selbst verborgen sind und bloß darauf warten von uns, eben dort,  entdeckt zu werden.

Zu Wagners Aussage, dass da, wo die Religion künstlich wird, es der Kunst vorbehalten sei, den Kern der Religion zu retten…… denke ich, dass er dies mindestens nach meinem Empfinden sehr gut interpretierte.

Die Kunst ist ein ewiges individuelles Ideal und die komprimierte Form des Ausdrucks menschlicher Gefühle, genau wie die Religion, jedoch vielleicht ein wenig freier von Dogmen und somit von Künstlichkeit. Alles zusammen versinnbildlicht den ewig – menschlichen Wunsch nach Geborgenheit und Liebe und ein wenig von der großen Lebensverantwortung (an Gott, an einen Helden …) abgeben zu können.

Freiheit ist im Zusammenhang mit Kunst, genau wie mit Religion, etwas Unumgängliches. Was „gut“ ist und was „schlecht“ ist, ist je nach Auffassung doch etwas relatives, wie auch die Suche nach einem Gott.

Trotzdem haben sich Generationen von Menschen und über alle Rassen und Religionen, sowie soziale und andere Unterschiede hinweg auf ein gewisses Ideal dessen was „Gut“ ist verständigt. Natürlich mit manchen Abstrichen.

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Foto: Alfred Pany

Mindestens Parzival ist die Verkörperung von Kunst und Religion, der Weg vom und wieder ins Paradies, auf einer neuen Ebene, nicht mehr unschuldig und unbewusst, aber dafür lebenserfahren, organisch, sich aller (eigenen) menschlich – seelischen Abgründe gewahr. Vom „lieben, guten Kind“, wie ihn seine Mutter dereinst nannte, hin zum reifen körperlich- geistig voll erfüllten Mann, der mitsamt (und nicht trotz) seiner Wünsche und Begierden und den daraus gewonnenen Erkenntnissen zum Gralskönig wird.

Für mich jedenfalls ist dies die tiefere Wahrheit darin. Genau wie Jesus, in der christlichen Lehre, ein Mensch aus Fleisch und Blut, mit Stärken und Schwächen war, so ist auch Parzival ein ebensolcher.

Das ist Kunst, das ist Philosophie, das ist Geist, das ist Gefühl, das ist Religion, das ist vor allem aber authentisches Leben. Parzival sind wir alle und ob wir liebe gute Kinder bleiben, oder irgendwann und im irdischen Leben noch, den heiligen Gral sehen, liegt ausschließlich an uns.

Das Nirgendwo ist kein Ort sondern eine Art „Non Zustand“. (Bewusst) Sein oder nicht (Bewusst) Sein, das ist hier die Frage…….

Bewusstseinszustände und Bewusstseinsänderungen beim Menschen zu erreichen, wird auch in Teilen der Musik zugeschrieben. Waren es früher Schamanengesänge so können es auch andere sein, wie es die Hirnforschung immer mehr auch wissenschaftlich belegt. Man muss dazu gar nicht erst die sogenannte Esoterik-Szene bemühen. Sie als Interpret vor allem Klassischer Werke wissen das im Grunde aus eigener Erfahrung, dazu brauchen sie keinen wissenschaftlichen Beleg. Warum schafft Musik das bei uns Menschen?

Ich würde noch weiter gehen und behaupten, dass Musik nicht nur partiell sondern de facto immer Bewusstseinsänderungen oder Zustände hervorrufen kann und dies auch tut.

Das allererste Instrument der Menschheitsgeschichte war die Stimme. Selbst Tiere benutzen ihre Stimmen um Musik zu machen. Vögel, Wale…. um nur zwei Beispiele zu nennen.

Dabei ist, um dies am Rande zu erwähnen die Kommunikation der Wale etwa 4x so komplex wie jene der Menschen, ihre Gesänge vielfältig und von individueller Einzigartigkeit. Musik zu machen, zu singen ist vor allem und hier knüpfe ich ein wenig an das erste Thema an, der Weg zu sich selbst. Es ist eine Form der Bewusstwerdung.

Als Sänger füge ich an, dass je näher man bei seiner eigenen souveränen Persönlichkeit angelangt ist, desto intensiver und glückbringender erlebt man den Gesang (die Musik). Musik machen bedeutet frei zu sein, es hat ein wenig von „Fliegen“! Gesangsunterricht für Manager, Politiker würde mit Sicherheit einiges bewegen.

Selbst „Passiver“ Musikgenuss ist meiner Ansicht nach ebenfalls eine Frage des „Bewusst Seins“, die Erlebnisfähigkeit steigt mit der eindeutigen Definition dessen, was man als angenehm und in irgendeiner Form berauschend …… erlebt. Bewusstseinszustände und Befindlichkeiten können bewusst herbeigeführt werden. Was wären etwa Filme ohne entsprechende Musik?

In der heutigen Zeit nun neigen wir dazu alles erklären zu wollen, aber mal ehrlich, wer wollte z.B. Liebe als bloße chemische Reaktion zweier Körper, als solches und im speziellen zueinander definieren.

Was kann die Wissenschaft diesbezüglich leisten? Lassen wir doch der Musik ihr Geheimnis als wunderbare und gesundheitlich ungefährliche Droge, als komprimierte Manifestation menschlicher Empfindungen, als in Töne gegossenes Gefühl……

Das ist nicht nur genug, sondern eine ganze Menge, vor allem ein unglaubliches unvergleichliches Geschenk.

Bei diesem Punkt „Lassen wir doch der Musik ihr Geheimnis als wunderbare und gesundheitlich ungefährliche Droge, als komprimierte Manifestation menschlicher Empfindungen, als in Töne gegossenes Gefühl……“ möchte ich doch noch mal nachfragen, denn in ihrer autobiografischen Erzählung „Parzivals zweite Chance“
erfährt man sehr viel über Alkohol, menschliche Tragödien und schwierige Lebensverhältnisse. Ist Musik für sie eine Art verspätete Therapie geworden?

Musik ist für mich vor allem reiner Gefühlsausdruck und wenn man sie als Therapie oder Medikament ansehen möchte, so ist sie in jedem Fall zu allen möglichen Krankheiten passend. Für mich persönlich war wohl eher mein literarisches Erstlingswerk „Parzivals zweite Chance“ ein Weg mit meiner Vergangenheit abzuschließen, oder besser, sie als Teil meines Lebens zu akzeptieren. Ich stehe ihr heute ohne Zorn oder Wehleidigkeit gegenüber, weil man ja als Persönlichkeit stets die Summe all` seiner Erfahrungen ist.

Letztere sind zwar zugegebenermaßen nicht immer ganz so wunderbar ausgefallen, jedoch ich möchte im Hier und Jetzt keine einzige missen.  Auch wenn das seltsam klingt, aus heutiger Sicht bin ich sogar dankbar.

Um aber auf die Musik zurückzukommen, sie war/ist mir eher ein wunderbarer Helfer meiner „Selbstwerdung“ und dies ist ein Prozess der immer noch in Gang ist. Insgesamt ist es wohl schwierig den Einfluss verschiedener Gegebenheiten und Geschehnisse hinsichtlich der eigenen Entwicklung exakt zuzuordnen. Die eigene Wahrheit ist ja zudem etwas höchst Relatives. Im Zusammenhang mit Musik und ihren auf diverse Gebiete bezogenen Nutzen, würde ich aber ohne zu zögern fast alles „unterschreiben“!

Selbst zu wachsen, seine Persönlichkeit zu entwickeln, sein Leben selbstbestimmt zu leben, all das sind Dinge die sie ausstrahlen. Auch in ihrem Buch „Gottes seltsame Helden“
finden sich solche Erzählungen und Geschichten. Ihr Glaube daran, dass man alles schaffen kann, scheint literarisch wie auch im richtigen Leben unerschütterlich …

Ja die Selbstbestimmung und das eigenverantwortliche Handeln spielen eine große Rolle in meinem Leben. Natürlich sind gewisse, nennen wir es schicksalhafte, Situationen im Leben vorgegeben. Ich weigere mich jedoch alles als Gottgegeben hinzunehmen.

Meine Lieblings Metapher ist das Kartenspiel, bei dem der Spieler keinen Einfluss auf das Blatt hat, welches er erhält, aber sehr wohl auf das Spiel. Soll heißen, man kann mit einem guten Blatt lausig spielen, aber mit einem Schlechten phänomenal.

Im Übrigen wächst jeder mit seinen Aufgaben.

Wenn man versteht, dass alle Antworten welche man „im Außen“ sucht, zunächst einmal, in uns selbst zu finden sind, kann man mit nahezu jeder Situation im Leben fertig werden. Sich als bewusster Mensch mit allen Wünschen und Bedürfnissen wahrzunehmen und zu akzeptieren ist die vordringlichste Aufgabe um schließlich auch „im Außen“ ein erfülltes Leben zu führen.

Nach der Sache zu streben gilt es, nicht zu allererst den möglichen materiellen Erfolg zu suchen. Natürlich brauchen wir Geld um ein einigermaßen „befriedigendes“ Leben führen zu können, jedoch es darf nicht der (einzige) Beweggrund sein, warum wir einen Beruf, eine Aufgabe übernehmen.

Spaß und Freude zu haben gilt es! Ich halte nichts davon mit Dingen sein Brot zu verdienen, die man im Grunde seiner Seele nicht mag. Wie kann ich glücklich sein, wenn ich jeden Tag mit einem unguten Gefühl in der Magengegend in die Arbeit gehe?

Eine gewisse Demut dem gegenüber was man hat und nichts als selbstverständlich ansehen zu wollen ist, mindestens für mich, mit Sicherheit ein erstrebenswertes Ziel. Dem gegenüber steht ein gesunder Egoismus, der weis was man will und auch befriedigt werden sollte. Es ist ein Balanceakt. Jedem das seine und leben und leben lassen. Rückschlüsse auf den kategorischen Imperativ von Kant sind gewollt und beabsichtigt!

Schlussendlich glaube ich daran, dass der Mensch so „angelegt“ ist, dass er die Aufgaben, welche er bekommt auch bewältigen kann, also wenigstens die Anlagen dazu hat.

Der Sinn des Lebens, wenn ich das mal etwas pathetisch formulieren darf, ist für mich die Bewusstwerdung, welche durch die Erkenntnis, dass sie nur durch aktive selbstbestimmte Entscheidungen erfolgen kann vorangetrieben wird. Es ist der Weg ins ich……

Meine Bücher Parzivals zweite Chance und Gottes seltsame Helden vermitteln dies, so hoffe ich und wurden zu einem Großteil deswegen geschrieben, um Menschen Hoffnung zu geben und ihnen zu zeigen, dass sie sich immer helfen können, so lange sie auf ihre eigenen Fähigkeiten und Begabungen vertrauen. Als Nicht Christ möchte ich sinngemäß einen Satz aus der Bibel zitieren.

„Gott hat den Menschen nach seinem Abbild geschaffen….“ Nehmen wir das doch mal als immerhin möglich an, dann wären/ sind wir mindestens Herr über uns selbst und unsere Idee von der Welt……………….

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Erwin Schmiedel

Erwin-Schmiedel

Fotos: Alfred Pany

In Wien geboren, begann Erwin Schmiedel mit dem Gesangsstudium. Die erste stimmliche Ausbildung erfolgte an der Musikschule der Stadt Wien bei Prof. Monique Muth und später bei der russischen Sopranistin Prof. Ela Malkin. Fortsetzung seines Studiums bei Prof. Elfriede Obrowsky-Zimmermann, welches durch die Arbeit mit anderen namhaften Künstlern ergänzt wurde (auch am Reinhard – Seminar). Auf dem Sektor Oper arbeitet er mit KS Michael Pabst.

Schwerpunkt: Liedgesang.

Erwin Schmiedel ist vor allem die Wiederaufnahme jener Lieder und Balladen ein großes Anliegen, die in den letzten Jahrzehnten etwas in Vergessenheit gerieten. Besonderen Wert legt er dabei auf eine gehaltvolle Gestaltung im Gesangsstil früherer Jahre. Seine mächtige Stimme eignet sich besonders für die großen Balladen von CARL LOEWE, und hat jene Textdeutlichkeit aber auch das nötige „ piano „ für dieses Genre im Allgemeinen.

Vor allem im Bereich der großen Romantiker verfügt Erwin Schmiedel über ein äußerst umfangreiches Lied-Repertoire, das ergänzt wird durch ein breit gefächertes Spektrum an Opern-, Operetten- und kirchenmusikalischen Werken.

Classic-VoicesKonzerte der Wiener Musikschulen und des Konservatoriums der Stadt Wien, Veranstaltungen der Wiener Festwochen, zahlreiche Liederabende ( mit renommierten Liedbegleitern, wie Prof. Margit Fussi, Karl Macourek, Maki Saeki u.a. ) sowie Opern- und Kirchenkonzerte im In- und Ausland bilden den Rahmen für die breit gefächerte Tätigkeit des Künstlers. Mitwirkung bei diversen Opernabenden z. B. als „Graf“ in Lortzings „Waffenschmied“ oder als  ausgesprochen böser „Ritter Hadubrand“ in einem der selten gespieltem Einakter von H. I. Franz Biber. Auch die zahlreichen Auftritte in verschiedenen Kirchen in Wien, wie zb. Schubert, Piaristen, Reindorf, Karlskirche (in letzterer als Stammsolist) aber auch im restlichen Österreich, sowie die Zusammenarbeit mit verschiedenen Chören ( als Solist ) und natürlich im benachbarten Ausland dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Gemeinsam mit dem Ensemble Trio Musica Sacra ist er für die musikalische Messgestaltung bei sämtlichen Festmessen in der Wiener Karlskirche zuständig. Seit Dezember 2007 künstlerischer Leiter der Kirchenmusik.

Im Jahr 2001 wurde dem Sänger die Ehrenurkunde der internationalen „ROBERT STOLZ“ Gesellschaft für seine Treue zu Robert Stolz und seiner Musik anlässlich eines „GALAABENDS“ seitens der persönlich anwesenden Komponistengattin Fr. Prof. Einzi Stolz überreicht.

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