… Roland Arndt

Avatar-ZwiegesprächSchon immer gab es Zitate in meinem Leben, vor allem in der Zeit, als ich noch Latein in der Schule hatte, die ich nie so recht verstanden habe. Eines davon, „Vita parentibus filiorum, in quo libro legitur“ also „Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen“ war so eines.

Meine Vergangenheit als Kind, war nicht so, dass ich das Gefühl hatte im Leben meiner Eltern irgendwas erkennen zu können. Meine Leben war und ist meines, so glaubte ich. Heute weiß ich sehr wohl, wie viel ich unbewusst gelesen – was ich wahrgenommen und was ich als Wahrheit angenommen habe. Ich nehme an, dass ich in meiner Zukunft auch noch mehr gelesenes wiedererkennen werde. Die Philosophen unter den Lesern, werden sofort mit Intentionen und Interpretationen kommen, doch ich fasse die Worte von Augustinus Aurelius schlicht so auf wie sie geschrieben stehen.

Das Leben der Eltern ist das Buch, in dem die Kinder lesen.

Für Kinder, die das Buch der Eltern unbewusst lesen, an ihrem Inhalt reifen und sich entwickeln, werden irgendwann auch ein mal Ergebnisse aus dem gelesenen erhalten, nur wie werden diese aussehen?

Ein Mann, der ein Teil eines Buches war und heute eines anderen Buches ist, jedoch die gleichen Leser hat, ist der Coach, Trainer, Vortragsredner und Buchautor Roland Arndt.

Herr Arndt, aus ihrem Buch des Elternlebens, haben sie ein Kapitel davon in ein greifbares Buch umgesetzt. In ihrem Coaching-Roman „Liebe ist stärker als ein Weltuntergang“ geht es um das Elternsein an sich, das Vater sein im besonderen und was Kinder im Leben ihrer Eltern erfahren und erkennen.

Was war schwerer für sie, das schreiben des Buches oder die Erkenntnis, was solche Inhalte wie in ihrem Buch beschrieben, Kindern antut?

Dramatische Erlebnisse anlässlich einer Trennung sind vermutlich immer schlimm. Besonders dann, wenn ein Elternteil den Dialog verweigert und die Terminvorschläge des Jugendamtes ohne Angabe von Gründen absagt. Für solche Situationen gibt es keine Erfahrungswerte und keine Tricks oder clevere Schachzüge. Da wo die Dramatik mit Verletzungen, Betrug und Traurigkeit zugeschlagen hat … da muss letztlich jeder allein durch und sich selbst ein liebender Nächster sein.

Das, was meinen Kindern von allen Seiten zugemutet wurde, das schlägt dem Fass den Boden aus. Und da kann auch kein Außenstehender helfen. Da geht es allein ums Überleben, um das Fertigwerden mit einer übergangsweisen Trennung vom Vater, deren Länge in der damaligen Situation nicht abschätzen konnte.

Die Liebe zueinander, ich meine zwischen mir und meinen Söhnen war in der Zeit die größte Kraft und Hilfe.

Sie haben gerade beschrieben, was man in ihrem Buch immer wieder findet, jedoch am prägnantesten als Untertitel ihres Buches „Das große Gefühl ein liebender Vater zu sein“. In der Gesellschaft ist es doch eher als Pseudo-Fakt bekannt und auch oft übernommen, dass Mütter ihre Kinder lieben und die Väter sich entweder kümmern oder eben nicht. Allerdings habe ich subjektiv das Gefühl, dass es mittlerweile genügend Väter gibt die es auch zeigen, dass sie ihre Kinder sehr lieben, dafür manche Frauen beginnen, sich zu kümmern oder eben nicht. Ist das nun auch eine Art „Emanzipation“ oder nur Zufall oder …?

Diese Frage habe ich mir oft gestellt. Und ich habe mit vielen Vätern darüber gesprochen. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der meine Eltern mich sehr liebten. Mein Vater war zusätzlich immer mein bester Partner im Sport. Wir spielten Fußball und Tischtennis, wir fuhren Fahrrad und liefen um die Wette. Danach nahmen wir uns in die Arme und ich fühlte diese Liebe und tiefe Verbundenheit. Auch wenn ich mal Fehler machte, fühlte ich mich immer mit Respekt behandelt und geliebt.

Das fühle ich auch meinen Söhnen gegenüber, eine unendliche Dankbarkeit und Liebe. Mit dieser großen Liebe und Verbundenheit lassen sich so ziemlich alle Probleme lösen. Dadurch leben meine Kinder auch angstfrei mir gegenüber. Ihre Mutter hat mich früher immer versucht, als „Vollstrecker“ für „böse Taten“ einzusetzen. Da habe ich aber nicht mitgespielt. Mir war ein wirklich empathisches Gespräch immer das Wichtigste. Und meine Söhne und ich hatten dadurch viel mehr gute Ideen und Absprachen, die auch eingehalten wurden und werden.

Ich glaube, es ist etwas in Bewegung gekommen, dass viel mehr Väter ihr Verhältnis zu ihren Kindern ganz anders mit Leben erfüllen. Auf mich kommen Väter zu, die mit ihren Kindern nach der Trennung von der Ehefrau das Modell der Doppelresidenz gewählt haben. Das bedeutet, dass die Kinder zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater leben. Unterhaltszahlungen entstehen keine, und das Kindergeld wird geteilt. Das kann im wöchentlichen Wechsel stattfinden oder mit einer anderen zeitlichen Vereinbarung. Meine Söhne wollten ganz bei mir zu Hause leben und besuchen jetzt unregelmäßig ihre Mutter, je nach Absprache. Und inzwischen kommen alle Beteiligten sehr gut damit klar. Es scheint sich in der Tat bei vielen Vätern etwas zu entwickeln, was nach mehr Nähe zu ihren Kindern ruft. Und bei einigen Müttern entsteht ein Gefühl, nichts im Leben versäumen zu wollen … und da haben Kinder nicht immer genügend Platz. Aber es gibt so viele Einzelfälle wie es Familien gibt. Für mich ist es ein großes Gefühl, ein liebender Vater zu sein. Es ist ein unbeschreibliches Glück, für dass ich sehr dankbar bin.

Sie machen immer einen solch ausgeglichenen, sympathischen und vor allem authentischen Eindruck, haben sie niemals in der zurückliegenden Zeit auch so etwas wie  Zorn, Wut, Müdigkeit gespürt, vor allem im Zusammenhang mit dem hiesigen Rechtsystem, denn nach der Lektüre ihres Buches muss ich zugeben, wäre ich an ihrer Stelle irgendwann „geplatzt“?

Diese extreme und dramatische Situation, in der ich mich befand, fächerte Momente auf, für die ich einfach keine Erfahrungswerte hatte. Ich wusste nicht, damit umzugehen. Ich war überfordert, verletzt, voller Sehnsucht nach meinen Kindern und einfach aus der Kontrolle. Aber zu Gefühlen wie Hass bin ich nicht fähig. Ich frage mich immer nach dem nächsten, besten Schritt und gehe ihn dann. Ich mache viel mit mir selbst aus, obwohl es schon gut tut, einen Menschen in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis zu haben, dem ich mich auch anvertrauen kann.

Ich orientiere mich gern an dem einfachen Dreiklang „Love it, leave it or change it“. Es gibt Situationen und Menschen, die sich nicht verändern lassen. Dann tut es uns nicht gut, sich daran die Zähne auszubeißen. Das ist jedenfalls meine Meinung dazu. Als 24-jähriger junger Mann hätte ich sicherlich in vielen Punkte anders reagiert. Ich will damit andeuten, dass ich von einer gewissen inneren Ruhe profitiere, die besonders in schwierigen Momenten mir selbst und auch den anderen Beteiligten gut tut. Mein Ziel war es in jedem Augenblick, das Beste für meine Söhne zu erreichen. Und dieser starke Wunsch schließt Aggression, Hass und unüberlegtes Vorgehen aus. Ich bin sehr dankbar, dass letztlich alles zum Wohl der Kinder abgelaufen ist. Auch wenn die Emotionen unüberschaubar sind … es ist wichtig, immer sein eigenes Herz zu befragen und zu spüren. Wenn die Liebe stärker ist als alle Konflikte, Ängste und Probleme … dann scheint eine Sonne, die für eine wunderbare Zukunft taugt 🙂

Es werden in der jetzigen Zeit immer mehr Väter allein erziehend, eine bis dato eher ungewöhnliche Entwicklung. Wenn sie aus ihrem heutigen Wissen heraus zurückdenken und sich vorstellen, sie wären ein solch alleinerziehender Vater allerdings – sagen wir mal – eben diese 24 Jahre jung, was würden sie ihm mit auf den Weg geben?

Danke für diesen schönen Impuls, denn ich habe einen guten Vergleich mit mir selbst. Ich war 24 Jahre jung als mein ältester Sohn geboren wurde. Damals war eine andere Zeit, und ich wusste nicht wirklich viel von Kindererziehung. Ich war als Vater sehr stolz und half meiner Frau ein wenig bei der täglichen Abwicklung im Haus. Aber der Gedanke, dass ich damals aus irgendeinem Grund alleinerziehend die ganze Verantwortung und Arbeit emotional und technisch hätte bewältigen sollen … das hätte ich mir bestimmt nicht zugetraut. Nun muss ich sagen, dass ich es mir vor 4 Jahren auch nicht von heute auf morgen vorstellen konnte, meine Jungs allein zu versorgen und alle sonstigen Verpflichtungen beruflicher Art als Spitzenleistung zu erfüllen. Allerdings habe ich gespürt, wie ich täglich mit meinen Aufgaben gewachsen bin. Jeden Tag ging es ein bisschen besser und besser. Ich kann jetzt kochen, die Wäsche waschen und bügeln, mich liebevoll um meine Söhne kümmern und auch bei Herausforderungen als ihr liebender Vater für sie da sein. Wir sind ein super Team. Und obwohl ich wieder verheiratet bin, übernehme ich 95% der Arbeit, die mit meinen Kindern zu tun hat. Ich habe keine Frau für die Arbeit mit meinen Kindern gesucht. Ich würde mir bestimmte Aufgaben wie morgens unser Frühstück zubereiten und die Kinder zur Schule zu fahren, nicht nehmen lassen. Nur wenn ich unterwegs bin, finden hier eine „Vertretung“ statt.

Das alles hätte ich im Jahre 1974 sicherlich nicht so leicht hinbekommen wie jetzt. Die heute 24-jährigen Väter sind da teilweise anders. Sie sind moderner, leben in einer Zeit von Rollentauschversuchen, erleben eine neue Dimension von Gedankenspielen und Lebensmodellen. Im Mittelpunkt steht der Wunsch nach einem gelingenden Leben mit Liebe, Glück, Leichtigkeit und Spaß. Das steht im totalen Gegensatz zu reiner Pflichterfüllung und intensiver Aufopferung. Ich will damit ausdrücken, dass alle Eltern, ob sie wollen oder nicht, viel Verantwortung und bedingungslose Liebe brauchen, um für alle Familienmitglieder einen Rahmen emotionale Zuwendung und Sicherheit aufzubauen. Ich wünsche allen Vätern viel Leidenschaft bei Ihrem Vatersein. Und allen Müttern wünsche ich die tiefe Liebe für Ihre Kinder auch dann, wenn Mädchen und Jungen sich entscheiden sollte, bei ihrem Daddy zu leben …

Portrait-Roland-Arndt-by-Rosemarie-Hofer--Zwiegespräch-mit-Jonny-Hofer

Es ist verblüffend, wie kreativ und effektiv zugleich wir Menschen uns in einem offenen Dialog inspirieren können. Für bestimmte Prozesse, wie das Erreichen von persönlichen Zielen und Bewältigen von Problemen, braucht man einen Menschen, der es gut mit einem meint … auch wenn es nur am Telefon ist 🙂

Roland Arndt arbeitet seit 20 Jahren als Coach (auch per Telefon). Er hat über 20 Bücher zu den Themen einer wertschätzenden Kommunikation im Beruf und Privatleben. Er berät zunehmend auch Familien und „entsorgte“ Väter und Mütter.

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Familienvater Leon ist ein Mann, der seine Frau über alles liebt. Und er genießt das große Glück, ein liebender Vater zu sein.
Buchcover-Roland-Arndt--Zwiegespräch-mit-Jonny-HoferAls er von einer Geschäftsreise nach Hause kommt, nimmt eine Dramatik ihren Lauf, die sein Leben komplett auf den Kopf stellt. Nichts ist mehr wie vorher. Er fühlt sich, als hätte man ihm das Herz aus dem Leib gerissen.
Aus tiefer Liebe zu ihrem Vater treffen seine beiden Kinder eine sehr mutige Entscheidung. Eine Schicksalswende nimmt ihren Lauf. Mit einer Liebe, die stärker ist als ein Weltuntergang.Familienvater Leon ist ein Mann, der seine Frau über alles liebt. Und er genießt das große Glück, ein liebender Vater zu sein.
Als er von einer Geschäftsreise nach Hause kommt, nimmt eine Dramatik ihren Lauf, die sein Leben komplett auf den Kopf stellt. Nichts ist mehr wie vorher. Er fühlt sich, als hätte man ihm das Herz aus dem Leib gerissen.Aus tiefer Liebe zu ihrem Vater treffen seine beiden Kinder eine sehr mutige Entscheidung. Eine Schicksalswende nimmt ihren Lauf. Mit einer Liebe, die stärker ist als ein Weltuntergang.

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